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Aus der
Geschichte des Klosters Rheinau

     
     

 

Diese Ansicht der Klosterinsel wurde um 1570 von einem anonymen Künstler gezeichnet.

Die alte romanische Kirche ist lediglich  mit einem Dachreiter geschmückt. Die Spitzkirche fehlt noch, dafür ist am gegenüberliegenden Ende der Insel die alte Felix- und Regulakirche zu sehen.

Rheinau um 1570

  Fintan mit Taube und Pilgerstab als Skulptur auf dem Fintansgrab in der Klosterkirche
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Der Legende nach wurde das Kloster Rheinau um 778 gegründet. Im neunten Jahrhundert soll der irische Wandermönch Fintan eingemauert in eine Zelle auf der Insel ein asketisches Leben geführt haben. 1446 wurde sein angebliches Grab gefunden, welches in der Klosterkirche mit einem reich bebilderten, sarkophagähnlichen Grabmal gekennzeichnet ist.

Die urkundlich und archäologisch einwandfrei belegte Geschichte der Benediktinerabtei beginnt erst zu Anfang des zweiten Jahrtausends. 1114 wurde die im obigen Bild dargestellte romanische Basilika geweiht, und um 1120 legten die Mönche das «Cartular», die heute noch vorhandene Urkundensammlung, an.

Obwohl in diesen Urkunden und späteren Bestätigungen deutsche Könige und Kaiser das Kloster mit zahlreichen Rechten ausstatteten und ihm die freie Wahl des Abtes und des Schirmvogtes zusicherten, wurde die Selbständigkeit der Abtei durch verschiedene Schirmvögte in Frage gestellt. Insbesondere im 12. und 13. Jahrhundert gereichten die sich daraus ergebenden Streitigkeiten dem Kloster oft zum Nachteil. 

Die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts ist gezeichnet vom Machtanspruch der Grafen von Sulz, welche den Rheinauer Abt mehrmals gefangen 
nahmen, im Gefolge des Alten Zürichkrieges jedoch mit Hilfe von Schaffhausen besiegt wurden. Mit der Wahl der Eidgenossenschaft als Schirmherr im Jahre 1455 war das Kloster in Zukunft vor den Übergriffen anmassender Vögte gesichert. 

 

Der Kupferstich von 1702 zeigt die hervorragendsten Neubauten aus der Zeit Theobald Werlins:
Brücke (1572) Kirchturm (1578) Klosterkeller (1585) Spitzkirche (1587)

Kupferstich von 1702

Im Jahr 1529 wurde auch das Kloster Rheinau von den Reformationswirren erfasst: Abt und Konvent mussten fliehen, Altäre und Bilder wurden zerstört. Doch schon 1532 wurde das Münster wieder eingeweiht, der alte Glauben kehrte nach Rheinau zurück, und in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in der Zeit der Gegenreformation, entstanden unter dem baufreudigsten aller Prälaten, Abt Theobald Werlin von Greiffenberg, zahlreiche neue Bauten,

   

von der steinernen Brücke bis zum wuchtigen Turm vor der alten Kirche. Mit dem Bau des Weinkellers dehnte sich der Klosterbezirks erstmals auf das Festland aus.  

    Die glanzvollste Blütezeit jedoch erlebte das Rheinauer Kloster im 18. Jahrhundert unter Abt Gerold II. Zurlauben. 1710 wurde die barocke
  Bildscheibe mit der Darstellung des Klosters nach einer Zeichnung von 1777

Klosterkirche geweiht. 1711 bis 1717 entstand der östliche Konventflügel, und 1744 fand die letzte Bauetappe am Kellergebäude ihren Abschluss. 1753 erbaute man eine neue Felix- und Regulakirche, wie sie auf dem Glasgemälde links das flussaufwärts gelegene Inselende ziert. Die 1000Jahr-  

  nach oben Feier 1778 bildete bereits das Ende des goldenen Jahrhunderts: die nahende französische Revolution warf ihre Schatten voraus. Die Wirren erreichten Rheinau 1799. Das Kloster wurde aufgelöst und erst 1803 wieder hergestellt. Doch der endgültige Untergang zeichnete sich schon bald ab: 1834 Unterstellung unter staatliche Aufsicht, 1836 Novizenverbot. 1859 wurde der letzte Abt gewählt, der noch elf Mitbrüdern vorstand.

1862 wurde das Kloster Rheinau durch Kantonsratsbeschluss aufgehoben.

Leodegar Ineichen, letzter Abt des Klosters Rheinau
     
 

1864 wurde mit dem Umbau des Klosters zu einer Pfleganstalt begonnen; 1867 zogen 451 Pfleglinge mit 9 Wärtern und 20 Wärterinnen ein.

Im Jahr 1900 war der Patientenbestand bei 115 Angestellten auf 728 angestiegen. Damals wurde mit dem Bau der Klinik Neu-Rheinau ausserhalb des Dorfes begonnen. 

Xylographie "Versorgungsanstalt Rheinau": Titelbild des Neujahrsblattes der Stadt Winterthur auf das Jahr 1868
 
    Noch 1999 wurden in der Inselklinik eine Akutstation mit 15 Betten, eine gemischte Akut- und Rehabilitationsstation mit 18 Betten sowie drei Langzeit- und Pflegestationen mit insgesamt 60 Betten betrieben.

Im Oktober 2000 war die Inselklinik geräumt. Die ehemaligen Klostergebäude stehen leer. 

Patientenzimmer der Rehabilitationsstation 8/9b
  nach oben Damit hat auch die über hundertdreissigjährige Geschichte der Psychiatrie auf der Klosterinsel ihr abruptes Ende gefunden. 

Die Zukunft wird eine neue Geschichte schreiben. Eine stolze, schöne, strahlende vielleicht.

 

 

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