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RHEINAU: NEUNUTZUNG DER EHEMALIGEN KLOSTERANLAGE
Kanton legt Lotteriegeld zur Seite
Was Magglingen für den Spitzensport ist, soll Rheinau für die Musik
werden. Der Kanton hält an seiner Absicht fest, die frühere Klosteranlage,
die nun schon seit 1600 Tagen leer steht, als Musikzentrum neu zu nutzen.
Der Regierungsrat rechnet mit Investitionskosten von 50 Millionen Franken.
Noch träger, als der Rhein in seiner Schlaufe um Rheinau fliesst, haben
sich bisher die Pläne des Kantons zur Neunutzung der alten Klosteranlage
entwickelt. Seit diese nicht mehr als psychiatrische Klinik dient, also
seit dem 1. November 2000, stehen die rund 400 Räume leer. Der Unterhalt
der historischen Anlage verursacht dem Kanton, in dessen Besitz sie seit
dem Jahr 1862 ist, jährlich Kosten von rund 1 Million Franken.
Jetzt soll aber die Absicht, die Klosteranlage als
Zentrum für Musizierende und Musikinteressierte zu nutzen, neuen Schub
bekommen. Bis im Herbst soll, glaubt man den Worten des kantonalen
Finanzdirektors Christian Huber, eine Machbarkeitsstudie vorliegen, auf
deren Basis der Regierungsrat über die Umsetzung der Ideen entscheiden
wird.
Huber rechnet mit Investitionskosten von 50 Millionen
Franken. Der Betrieb des Musikzentrums wird sich kaum kostendeckend
gestalten lassen. Vorgesehen ist laut Huber, dass eine noch zu gründende
Stiftung - die als Trägerschaft des Musikzentrums zu fungieren hätte - die
alljährlich anfallenden Defizite tragen solle. Für 25 Millionen Franken
werde ein Sponsor aufkommen. Dieser habe seine Unterstützung unter der
Bedingung zugesagt, dass ein rundum überzeugendes Konzept vorliege. Die
andern 25 Millionen Franken werde der Kanton aus dem Lotteriefonds
aufbringen. Das Geld werde schon jetzt zur Seite gelegt.
Die Würde des Ortes
«Ich besuche keine der Gemeinden im Kanton Zürich öfters als Rheinau»,
sagte Huber an der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Pro Insel
Rheinau am Montagabend, «und jedes Mal bin ich überwältigt von der
einmaligen Schönheit der Gegend.» Die Neunutzung der Klosterinsel sei ein
wichtiges Dossier in seiner Finanzdirektion. Und der Gesamtregierungsrat
sei sich der Verantwortung bewusst, den Gebäudekomplex zu erhalten und für
die Nutzung eine sinnvolle und dauerhafte Lösung zu finden, die das
kulturelle Erbe respektiere. «Hier ein Disneyland zu schaffen wäre
problemlos möglich», sagte Huber, «aber diese Nutzung wäre der Würde des
Ortes nicht angemessen.»
Ein Zentrum wie Magglingen
Angesichts der landschaftlichen Qualitäten und der historischen Bedeutung
sei der Spielraum für die Neunutzung halt doch sehr eingeschränkt. Für den
Regierungsrat stehe weiterhin das Konzept «Musikzentrum» im Vordergrund.
Dieses solle ein reiches Angebot an Aus- und Weiterbildung, Konzerten und
Begegnungen bieten. Es sei nicht als kantonale Institution zu verstehen,
es solle vielmehr - wie Magglingen im Bereich des Leistungssportes - eine
gesamtschweizerische Dimension bekommen und allenfalls weit ins Ausland
ausstrahlen. «Ein ebenso komplexes wie ehrgeiziges Projekt», sagte Huber.
Um das Konzept weiterzuverfolgen, bewilligte der Kantonsrat am 16.
Dezember 2003 einen Projektierungskredit von 500 000 Franken. Der
Regierungsrat bildete eine als «Projektlenkung» bezeichnete Arbeitsgruppe.
Ihr gehören vier Personen an: Daniel Wettstein, Generalsekretär in der
Finanzdirektion, Susanna Tanner, Chefin der Fachstelle Kultur in der
Direktion der Justiz und des Innern, Myriam Ziegler vorn Hochschulamt in
der Bildungsdirektion und Rainer Sigrist aus Flurlingen, Vorstandsmitglied
der Arbeitsgemeinschaft Pro Insel Rheinau. Die Projektlenkung lieferte dem
Regierungsrat vor einem Jahr einen Zwischenbericht ab, aus dem hervorging,
dass noch detailliertere Abklärungen nötig waren. Mit diesen wurden zwei
externe Experten betraut. Die Zusammenfassung, die Martin Heller, der
«Macher» der Expo.02 verfasste, zeigte dem Regierungsrat das weitere
Vorgehen auf: Als operative Instanz soll eine Projektleitung mit einem
Generalplaner gebildet werden.
Begründete Skepsis
Ob im Herbst tatsächlich die verheissene Machbarkeitsstudie vorliegt, wird
von verschiedenen Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Pro Insel Rheinau,
wenn sie sich vor Augen halten, wie wenig der Kanton seit der Aufhebung
der Inselklinik vor über vier Jahren in der Sache unternommen hat, sehr
bezweifelt. Ihre Zweifel werden durch die Tatsache bestärkt, dass der
bevorstehende Wechsel an der Spitze der Finanzdirektion das Projekt
vorerst wohl kaum beschleunigen wird. «Positiv ist jedoch», sagt der
Rheinauer Gemeindepräsident Gerhard Gsponer, «dass der Kanton schon mal
Geld beiseite legt.»
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| Die Arbeitsgemeinschaft Pro Insel Rheinau (PIR) versteht sich
als «Partnerin der Regierung» und als «Motor der Neunutzung» des
ehemaligen Benediktinerklosters auf der Insel im Rhein. Weil der
Kanton als Besitzer der immensen Liegenschaft in der
Projektentwicklu'ng auf die Federführung pocht, ist der Einfluss
der PIR trotz ihrer breiten Abstützung in der Region und trotz
ihrem grossen Engagement beschränkt. Immerhin hat sie einen Sitz
in der vom Regierungsrat eingesetzten Projektlenkung. Die PIR
machte sich seit ihrer Gründung im Jahr 1998 für eine breit
gefächerte Neunutzung stark: Kulturelle, kirchliche,
wirtschaftliche, wissenschaftliche, soziale und touristische
Bedürfnisse sollten gleichermassen berücksichtigt werden. Der
Regierungsrat dagegen setzt klar auf die Karte Musikzentrum. So
ist auch ungewiss, ob der Vorschlag der PIR, in den Räumlichkeiten
der ehemaligen Abtei ein Museum zur Klostergeschichte
einzurichten, jemals realisiert wird.
Die Mitgliederversammlung vom Montag genehmigte die
Jahresrechnung 2004 (Einnahmen 21100, Ausgaben 16600, Eigenkapital
65400 Franken) und das Budget 2005 (Einnahmen und Ausgaben je
21500 Franken). Wie Präsident Markus Gross ausführte, will die PIR
in diesem Jahr ihre Lobbyingarbeit fortsetzen. Mittels Führungen
im Klosterareal und mittels Referaten sollen Vertreter
verschiedenster Sparten informiert werden. Kontakte sollen auch
zum süddeutschen Raum gepflegt werden. «Wir sind zwar am Rand des
Kantons Zürich, aber im Zentrum Europas», sagte Gross. Der
Mitgliederbestand der PIR beträgt 319 Einzel- und 25
Kollektivmitglieder. Zusätzlich in den Vorstand gewählt wurde
Eugen Haag aus Frauenfeld, der im Kloster Fischingen eine
Konzeptgruppe präsidiert und in Tschechien den Umbau eines
Jesuitenkollegiums betriebswirtschaftlich begleitet hatte.
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