Fenster schliessen

 

Bericht von der
7
. Ordentlichen Mitgliederversammlung

 

vom Montag, 14. März 2005
im Restaurant Löwen Rheinau

Pressezitat «Der Landbote» vom 16.03.05 (lü)

RHEINAU: NEUNUTZUNG DER EHEMALIGEN KLOSTERANLAGE

Kanton legt Lotteriegeld zur Seite

Was Magglingen für den Spitzensport ist, soll Rheinau für die Musik werden. Der Kanton hält an seiner Absicht fest, die frühere Klosteranlage, die nun schon seit 1600 Tagen leer steht, als Musikzentrum neu zu nutzen. Der Regierungsrat rechnet mit Investitionskosten von 50 Millionen Franken.

Noch träger, als der Rhein in seiner Schlaufe um Rheinau fliesst, haben sich bisher die Pläne des Kantons zur Neunutzung der alten Klosteranlage entwickelt. Seit diese nicht mehr als psychiatrische Klinik dient, also seit dem 1. November 2000, stehen die rund 400 Räume leer. Der Unterhalt der historischen Anlage verursacht dem Kanton, in dessen Besitz sie seit dem Jahr 1862 ist, jährlich Kosten von rund 1 Million Franken.

Jetzt soll aber die Absicht, die Klosteranlage als Zentrum für Musizierende und Musikinteressierte zu nutzen, neuen Schub bekommen. Bis im Herbst soll, glaubt man den Worten des kantonalen Finanzdirektors Christian Huber, eine Machbarkeitsstudie vorliegen, auf deren Basis der Regierungsrat über die Umsetzung der Ideen entscheiden wird.

Huber rechnet mit Investitionskosten von 50 Millionen Franken. Der Betrieb des Musikzentrums wird sich kaum kostendeckend gestalten lassen. Vorgesehen ist laut Huber, dass eine noch zu gründende Stiftung - die als Trägerschaft des Musikzentrums zu fungieren hätte - die alljährlich anfallenden Defizite tragen solle. Für 25 Millionen Franken werde ein Sponsor aufkommen. Dieser habe seine Unterstützung unter der Bedingung zugesagt, dass ein rundum überzeugendes Konzept vorliege. Die andern 25 Millionen Franken werde der Kanton aus dem Lotteriefonds aufbringen. Das Geld werde schon jetzt zur Seite gelegt.

Die Würde des Ortes

«Ich besuche keine der Gemeinden im Kanton Zürich öfters als Rheinau», sagte Huber an der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Pro Insel Rheinau am Montagabend, «und jedes Mal bin ich überwältigt von der einmaligen Schönheit der Gegend.» Die Neunutzung der Klosterinsel sei ein wichtiges Dossier in seiner Finanzdirektion. Und der Gesamtregierungsrat sei sich der Verantwortung bewusst, den Gebäudekomplex zu erhalten und für die Nutzung eine sinnvolle und dauerhafte Lösung zu finden, die das kulturelle Erbe respektiere. «Hier ein Disneyland zu schaffen wäre problemlos möglich», sagte Huber, «aber diese Nutzung wäre der Würde des Ortes nicht angemessen.»

Ein Zentrum wie Magglingen

Angesichts der landschaftlichen Qualitäten und der historischen Bedeutung sei der Spielraum für die Neunutzung halt doch sehr eingeschränkt. Für den Regierungsrat stehe weiterhin das Konzept «Musikzentrum» im Vordergrund. Dieses solle ein reiches Angebot an Aus- und Weiterbildung, Konzerten und Begegnungen bieten. Es sei nicht als kantonale Institution zu verstehen, es solle vielmehr - wie Magglingen im Bereich des Leistungssportes - eine gesamtschweizerische Dimension bekommen und allenfalls weit ins Ausland ausstrahlen. «Ein ebenso komplexes wie ehrgeiziges Projekt», sagte Huber.

Um das Konzept weiterzuverfolgen, bewilligte der Kantonsrat am 16. Dezember 2003 einen Projektierungskredit von 500 000 Franken. Der Regierungsrat bildete eine als «Projektlenkung» bezeichnete Arbeitsgruppe. Ihr gehören vier Personen an: Daniel Wettstein, Generalsekretär in der Finanzdirektion, Susanna Tanner, Chefin der Fachstelle Kultur in der Direktion der Justiz und des Innern, Myriam Ziegler vorn Hochschulamt in der Bildungsdirektion und Rainer Sigrist aus Flurlingen, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Pro Insel Rheinau. Die Projektlenkung lieferte dem Regierungsrat vor einem Jahr einen Zwischenbericht ab, aus dem hervorging, dass noch detailliertere Abklärungen nötig waren. Mit diesen wurden zwei externe Experten betraut. Die Zusammenfassung, die Martin Heller, der «Macher» der Expo.02 verfasste, zeigte dem Regierungsrat das weitere Vorgehen auf: Als operative Instanz soll eine Projektleitung mit einem Generalplaner gebildet werden.

Begründete Skepsis

Ob im Herbst tatsächlich die verheissene Machbarkeitsstudie vorliegt, wird von verschiedenen Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Pro Insel Rheinau, wenn sie sich vor Augen halten, wie wenig der Kanton seit der Aufhebung der Inselklinik vor über vier Jahren in der Sache unternommen hat, sehr bezweifelt. Ihre Zweifel werden durch die Tatsache bestärkt, dass der bevorstehende Wechsel an der Spitze der Finanzdirektion das Projekt vorerst wohl kaum beschleunigen wird. «Positiv ist jedoch», sagt der Rheinauer Gemeindepräsident Gerhard Gsponer, «dass der Kanton schon mal Geld beiseite legt.»

nach oben zum Seitenanfang

 

 

Die Arbeitsgemeinschaft Pro Insel Rheinau (PIR) versteht sich als «Partnerin der Regierung» und als «Motor der Neunutzung» des ehemaligen Benediktinerklosters auf der Insel im Rhein. Weil der Kanton als Besitzer der immensen Liegenschaft in der Projektentwicklu'ng auf die Federführung pocht, ist der Einfluss der PIR trotz ihrer breiten Abstützung in der Region und trotz ihrem grossen Engagement beschränkt. Immerhin hat sie einen Sitz in der vom Regierungsrat eingesetzten Projektlenkung.

Die PIR machte sich seit ihrer Gründung im Jahr 1998 für eine breit gefächerte Neunutzung stark: Kulturelle, kirchliche, wirtschaftliche, wissenschaftliche, soziale und touristische Bedürfnisse sollten gleichermassen berücksichtigt werden. Der Regierungsrat dagegen setzt klar auf die Karte Musikzentrum. So ist auch ungewiss, ob der Vorschlag der PIR, in den Räumlichkeiten der ehemaligen Abtei ein Museum zur Klostergeschichte einzurichten, jemals realisiert wird.

Die Mitgliederversammlung vom Montag genehmigte die Jahresrechnung 2004 (Einnahmen 21100, Ausgaben 16600, Eigenkapital 65400 Franken) und das Budget 2005 (Einnahmen und Ausgaben je 21500 Franken). Wie Präsident Markus Gross ausführte, will die PIR in diesem Jahr ihre Lobbyingarbeit fortsetzen. Mittels Führungen im Klosterareal und mittels Referaten sollen Vertreter verschiedenster Sparten informiert werden. Kontakte sollen auch zum süddeutschen Raum gepflegt werden. «Wir sind zwar am Rand des Kantons Zürich, aber im Zentrum Europas», sagte Gross. Der Mitgliederbestand der PIR beträgt 319 Einzel- und 25 Kollektivmitglieder. Zusätzlich in den Vorstand gewählt wurde Eugen Haag aus Frauenfeld, der im Kloster Fischingen eine Konzeptgruppe präsidiert und in Tschechien den Umbau eines Jesuitenkollegiums betriebswirtschaftlich begleitet hatte.
 

 

Protokoll der 7. Mitgliederversammlung
Ordentliche Generalversamnmlung 2005

Download Protokoll der Mitgliederversammlung 2005

 nach oben zum Seitenanfang                                                                                           Fenster schliessen